Fünf Trends dominieren 2015 den TK-Markt in Deutschland

16. April 2015

Der Telekommunikationsmarkt in Deutschland wird nach Einschätzung von KEYMILE in diesem Jahr durch fünf Trends geprägt. Im Sprachbereich werden weitere Lücken bei Voice-over-IP geschlossen. Vectoring und seine Nachfolgetechnologien nehmen Fahrt auf, die Virtualisierung von Zugangsnetzen wird in diesem Zusammenhang verstärkt zum Thema, und parallel dazu geht auch der Glasfaserausbau weiter. Durch Video-on-Demand schließlich wird der Bandbreitenbedarf weiter steigen.

Auch wenn beim Breitbandausbau in den letzten Jahren spürbare Fortschritte im deutschen Telekommunikationsmarkt erzielt wurden, bleiben mittelfristig weitere Herausforderungen bestehen. KEYMILE hat fünf Bereiche identifiziert, die das Geschehen im Telekommunikationsmarkt hierzulande maßgeblich prägen werden.

1. Im Sprachnetz verdrängt Voice-over-IP (VoIP) das klassische Telefonienetz

Bis vor zehn Jahren dominierten ISDN-Anschlüsse bei den Telefonanschlüssen. In der Zwischenzeit sind die Netzbetreiber da­bei, die letzten verbliebenen weißen Flecken bei VoIP zu schließen. Im Transportnetz oder bei Transatlantikverbindungen, also dort, wo viele Gespräche gleichzeitig übertragen werden, ist der Umstieg schon länger vollzogen. Selbst wer heute noch über Analog- oder ISDN-Anschlüsse verfügt, telefoniert letztlich ab dem Voice-Gateway oder der Vermittlungsstelle über ein IP-Netz. Viele Unternehmen und Privathaushalte nutzen bereits VoIP, bei anderen steht die Migration an. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll in Deutschland dann das gesamte Netz auf VoIP umgestellt sein. Damit wird auch das letzte Glied in der Kommunikation auf IP/Ethernet migriert und es entsteht eine einheitliche, zukunftssichere Plattform für Sprach-, Daten- und Videodienste.

2. Netzbetreiber nutzen Vectoring für schnellere Breitbandanschlüsse.

VDSL2 und Vectoring sind in Kombination eine Brückentechnologie, die aktuell eine zentrale Rolle für eine bessere Breitbandversorgung spielt. Die vergleichsweise geringen Investitionskosten, die hohe Nachfrage nach mehr Bandbreite und die Möglichkeit, vorhandene Kupferleitungen weiter nutzen zu können, sind wichtige Gründe dafür, warum viele Netzbetreiber auf VDSL2 und Vectoring setzten. Dazu kommt, dass Vectoring auch für eine höhere Netzstabilität sorgt. Der Rollout von VDSL2 und Vectoring hat gerade begonnen. Bezüglich der technischen Weiterentwicklung stehen Technologien wie G.Fast schon in den Startlöchern. Und die Entwicklung geht weiter, so befindet sich derzeit das VDSL2 Profil 35b im ITU-T-Standardisierungsprozess, welches auf noch höheren Frequenzen die Bandbreiten auf mittellangen Kupferstrecken von rund 300 Metern auf bis zu 250 Mbit/s steigern soll. Noch höhere Raten sind durch den zurzeit in der Diskussion befindlichen Long-Reach-G.fast-Ansatz zu erwarten. Es bleibt aber abzuwarten, inwieweit Netzbetreiber diese zukünftigen Technologien nutzen werden, oder doch lieber gleich auf Glasfaser bis ins Haus setzen.

3. Virtualisierung von Zugangsnetzen

Durch die Einführung von Vectoring wird die bisherige Marktordnung zum Teil außer Kraft gesetzt, denn Vectoring sieht keine Entbündelung einzelner Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) am Kabelverzweiger mehr vor. Statt der bisherigen physischen Leitungsentbündelung ermöglichen Software-defined Access Networks eine virtuelle Entbündelung. Analog zu Software-Defined-Networking- und Network-Functions-Virtualization-Architekturen, wie sie in Rechenzentren und bei Cloud-Providern eingeführt werden, können dann auch Zugangsnetze von den Vorteilen einer Trennung der Steuer- und Datenebene profitieren. Auf Basis einer Vectoring-Plattform sind dann mehrere Provider in der Lage, über einen virtuellen Zugriff ihre jeweiligen Kunden mit schnellen Breitbandzugängen zu versorgen.

4. Insbesondere bei regionalen Netzbetreibern geht Glasfaserausbau voran.

Parallel zum Einsatz von Vectoring geht auch der Glasfaserausbau schrittweise weiter, vorangetrieben vor allem durch regionale und lokale Netzbetreiber. Im Vergleich zu börsennotierten und international tätigen Konzernen können regionale Netzbetreiber einen längeren Zeitraum nutzen, innerhalb dessen sich die Investitionen in den Glasfaserausbau amortisieren müssen. Während die „Großen“ auf Förderung der Politik und der EU warten, haben immer mehr Kommunen und Stadtwerke ihre Chancen erkannt. Daher wird kurzfristig der Glasfaserausbau auch weiterhin eine Domäne von Stadtwerken und deren Tochterunternehmen bleiben, die zudem die Gegebenheiten vor Ort genau kennen und flexible Lösungswege einschlagen können.

5. Video–on-Demand setzt sich immer stärker durch.

Eine hohe Bandbreite ist die Grundlage für neue Dienste wie Video-on-Demand. Millionen von Deutschen rufen bereits über ihren Fernseher Inhalte aus dem Internet ab. Über Videoportale, Mediatheken und OTT-Dienste (OTT: over-the-top) werden Zuschauer zu ihrem eigenen Programmdirektor. Das stellt Netzbetreiber vor Herausforderungen, denn sie müssen ihre Netze an einen rasant steigenden Bedarf anpassen und erweitern, denn Video-on-Demand beruht auf Unicast-Verbindungen, bei denen jeder Empfänger direkt mit dem Sender kommuniziert.

„Der Breitbandbedarf wird aufgrund von VoD in den nächsten Jahren stark anwachsen, insbesondere in den Kernnetzen – nicht zuletzt wegen der geänderten Sehgewohnheiten der Zuschauer. Sie haben heute die freie Wahl, Inhalte abzurufen, wann und mit welchem Endgerät sie das gerade möchten“, sagt Klaus Pollak, Head of Consulting & Projects bei KEYMILE. „Der weitere Vectoring-Ausbau ist dabei ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Glasfaserausbau bis in die einzelnen Häuser.“

 

                                                                                                                            

Über KEYMILE

KEYMILE ist ein technologisch führender Anbieter von Telekommunikationslösungen mit Hauptstandorten in Deutschland und der Schweiz. Die flexiblen und robusten Multi-Service-Zugangs- und Übertragungssysteme ermöglichen es Netzbetreibern, vielfältige Sprach- und Datendienste über Kupfer- und Glasfaserkabel bereitzustellen. Die gleichzeitige Verfügbarkeit von IP/Ethernet- und TDM-Technologie gewährleistet eine reibungslose Evolution zur paketbasierten Datenübertragung. In den Telekommunikationsnetzen von Bahnen, Energieversorgern und staatlichen Institutionen werden KEYMILE-Systeme für die sichere Datenübertragung in unternehmenskritischen Netzbereichen eingesetzt. Öffentliche Netzbetreiber nutzen die Produkte für die Bereitstellung von Teilnehmeranschlüssen mit höchster Bandbreite. Die KEYMILE-Systeme zeichnen sich aus durch höchste Verfügbarkeit und Lebensdauer, einfachen Betrieb, gute Öko-Bilanz sowie hervorragende  Systemintegrität aufgrund des deutschen Produktionsstandorts. KEYMILE unterstützt seine Kunden zudem mit einer Vielzahl von lösungsbezogenen Dienstleistungen wie Consulting, Netzdesign, Implementierung, Netzbetrieb und Training. Das Unternehmen ist weltweit mit Tochterfirmen und Partnern vertreten und kann auf Systeminstallationen in mehr als 100 Ländern verweisen. Zurück zur Übersicht